Archiv für den Monat: August 2013

Feng Huang Dan Cong – Po Tou Xiang

Diesmal dürfte ich einen ganz besonderen Oolong,  einen Po Tou Xiang Dan Cong aus Feng Huang, verkosten. Die Tee Probe wurde mir freundlicher Weise von Phoebe Lin zur Verfügung gestellt und stamm von der Tee Farm ihrer Familie in Feng Huang. Dieser Oolong ist stark oxidiert und gedreht im Gegensatz zu taiwanesischen Oolong welche meistens leicht oxidiert und in sich gerollt werden. Erst bei genauem Hinsehen fällt auch, dass die Blätter nicht durchgehen schwarz oder braun sind sondern viele verschiedene Farbschattierungen aufweisen. Da diese auf normalen Fotos schwer erkennbar sind  habe ich eine Serie HDR Bilder von den Blättern gemacht.

Setup für die Po Tou Xiang verkostung

Setup für die Po Tou Xiang Verkostung

 

Gaiwan und zwei Yixing Kannen

Gaiwan oder Yixing Kanne?

Für diesen besonderen Tee habe ich lange überlegt wie ich ihn aufgiessen soll. Den bewährten Gaiwan oder doch lieber eine Yixing Kanne? Ich liess es mir schlussendlich nicht nehmen diesen Dan Cong in einer Yixing Tekanne aufzugiessen. Ich sollte meine Entscheidung nicht bereuen den schon beim ersten Aufguss liess der Tee sein Potential erkennen.

 

Aufguss eines Po Tou Xiang Dan Cong

Aufguss des Po Tou Xiang

Von Anfang an erfreut der Tee durch seine fruchtigen Duftnoten. Wie bei Oolong üblich offenbarte dieser Dan Cong seine ganze Pracht erst beim zweiten Aufguss. Das Aroma blieb über mehrere Aufgüsse erhalten und auch die orange-gelbe Farbe blieb durchgehend dieselbe. Die Anzahl Aufgüsse habe ich nicht gezählt aber es waren einige mehr als bei anderen Oolong.  Vergeblich suchte ich jedoch den Ingwerblüten Duft den ich Aufgrund des Namens, Po Tou Xiang heisst übersetzt Ingwerblüten Duft, vermutete. Es soll mir recht sein!

 

Po Tou Xiang Teeblätter

Po Tou Xiang Teeblätter

Die Aufgegossenen Teeblätter bestätigen, dass es sich hier um einen Dan Cong höchster Güte handelt. Die Teeblätter sind weitgehend unbeschädigt was auf eine Handlese hinweist. Auch wurden nur ein oder zwei Blätter genommen und von daher sind nur wenige Zweige enthalten. Die Teeblätter sind klein und weich; ein Zeichen für eine frühe Ernte da die Blätter noch nicht ausgewachsen sind.

HDR Bild Po Tou Xiang

HDR Bild des Po Tou Xiang

Zum Schluss noch das versprochene HDR Bild des Po Tou Xiang. In der vergrösserten Ansicht sieht man gut, dass nicht nur schwarze und braune sondern auch rote, gelbe, violette und viele andere Farbtöne das Teeblatt zeichnen.

Insgesamt gesehen ist dieser Dan Cong ein Oolong der Spitzenklasse der allerdings auch seinen Preis hat. Dieser relativiert sich zwar dank der hohen Ausbeute aber dennoch dürfte es schwierig werden diesen Tee an den Mann zu bringen. Zurzeit prüfen wir ob wir diesen Tee ins Sortiment aufnehmen sollen. Der Endkundenpreis würde ungefähr CHF 27.– für 50g betragen. Interessenten können sich gerne per Mail melden und so gegebenenfalls unsere Meinung beeinflussen.

Hier klicken um diesen Post als PDF herunter zu laden

 

Obubu Tea – Houjicha (Dark Roast)

Meine Reise durch die Welt der japanischen Tees führte mich diesmal zu Houjicha. Für diejenigen, für die Houjicha genauso neu ist wie für mich habe ich im nächsten Abschnitt einen kurzen Überblick verfasst.

Houjicha Aufguss mit Blume

Houjicha Aufguss

Houjicha von Obubu Tea

Houjicha Blätter

Houjicha ist ein gerösteter Grüntee aus Japan. Der Röstprozess ist der Grund, warum Houjicha nicht wie ein grüner Tee aussieht und schmeckt, sondern eher wie ein Pu-Erh oder vielleicht ein schwarzer Tee. Dieser Tee wird normalerweise aus Bancha hergestellt, aber manchmal wird auch Sencha oder Kukicha verwendet. Da Koffein und Catechine durch das Rösten abgebaut werden, ist der Tee sehr mild und daher nicht als Stimulans geeignet.

Houjicha (Dark Roast) von Obubu Tea ist, wie der Name schon sagt, stark geröstet. Der Duft ist holzig und erinnert leicht an Tabak. Das bringt Erinnerungen an die Schulzeit zurück, als ich vom Hausmeister der Schule, Herrn Hafen, gebeten wurde Pfeifentabak zu kaufen. Das war damals kein Problem weil es keine Altersbeschränkung gab und überraschenderweise haben wir alle das irgendwie überlebt. Es musste übrigens immer Borkum Riff Ultra Light sein und kein anderer Tabak! Es gab dafür dann auch immer ein hübsches Trinkgeld für die korrekte Lieferung.

Aber zurück zum Tee: Ich liess den Tee etwa eine Minute lang bei etwa 90°C, vielleicht wars auch ein bisschen mehr, ziehen. Der Tabakduft war nun auch im Aufguss erkennbar. Zusätzlich gesellte sich der Geschmack von dunkler Schokolade und Kaffee zum Tabakgeschmack hinzu. Auch hier sehe ich Parallelen zu bestimmten Pu-Erh-Tees. Röst und- rauchige Aromen sind nur subtil, während erdige Töne überwiegen. Der Aufguss schimmert kastanienbraun in der Tasse – eine ungewöhnliche Farbe für einen grünen Tee.

Tee in Gaiwan

Houjicha im Gaiwan

Wie man sieht, benutzte ich einen Gaiwan, um die Houjicha aufzugiessen. Natürlich wäre eine Kyusu oder eine Dobin-Kanne besser für einen Houjicha geeignet. Aber da ich mich immer auf ein neues Aufgussgefäss einstellen muss und ich nur eine 10g-Probe vom Houjicha habe, experimentiere ich lieber nicht.

Der zweite Aufguss ist viel heller als die erste. Dies kann daran liegen, dass ich die empfohlene Ziehzeit während des ersten Aufgusses überschritten habe. Auch überwiegen beim zweiten Aufguss die holzigen, tabakartigen und schokoladigen Aromen, sie sind nun aber milder. Die Abwesenheit jeglicher Adstringenz oder Bitterkeit verwirrt mich immer noch, obwohl es eine Hauptmerkmale von Bancha ist.

Houjicha Blätter nach dem Aufguss

Die Aufgegossenen Houjicha Blätter

Der dritte Aufguss ähnelt dem zweiten und ist eher unspektakulär. Ich merke, dass dem Tee langsam der Saft ausgeht. Aber ich schmecke eine neue Nuance – ein Hauch von indischem Masala Chai. Aber nicht ganz so scharf und auch der milchige Geschmack fehlt. Obubu Tea empfiehlt, die gebrauchten Blätter über Nacht in den Kühlschrank zu geben, um Eistee damit zu machen und den letzten Rest aus den Blättern zu holen. Ich werde es das nächste Mal versuchen und auch eine der empfohlenen Houjicha Latte klingt interessant.

Umami – Der fünfte Geschmack

L-Theanin (Bildquelle:Wikipedia)

L-Theanin   (Quelle:Wikipedia)

Oft hört man von Teefreunden die Bezeichnung Umami. Insbesondere in Verbindung mit hochwertigen japanischen und chinesischen Grüntees wird dieser Begriff oft verwendet. Obwohl Umami bereits 1907 vom japanischem Wissenschaftler Kikunae Ikeda entdeckt wurde ist es einer breiten Bevölkerungsschicht weitgehend unbekannt. Neben süss, sauer, bitter und salzig ist Umami eine weitere Geschmacksrichtung und wird deshalb auch als fünfter Geschmack bezeichnet. Umami heisst übersetzt so viel wie herzhaft oder fleischig und dient dazu eiweisshaltige Lebensmittel schmecken zu können.

Wie kommt Umami in den Tee?

Für den Umami Geschmack im Grüntee ist die Aminosäure L-Theanin verantwortlich. Diese Aminosäure wird in den Blättern der Camellia sinensis gebildet. Im Laufe des Wachstums wird aber ein Grossteil des L-Theanins durch Sonneneinstrahlung in Katechine und andere Stoffe umgewandelt. Umami ist also nur in den jungen Teeblättern zu finden oder in Blättern die vor starker Sonnenstrahlung geschützt sind. Dies ist z.B. bei Yun Wu und anderen Tees aus nebligen Anbaugebieten der Fall. Die Japaner hingegen haben eine eigene Technik entwickelt: Kabuse. Hochwertige grüne Tees wie Tencha, Gyokuro oder Kabusecha werden künstlich beschattet und erzielen somit den gleichen Effekt wie Nebel und Wolken.

Wieso schmeckt man Umami nicht bei Schwarztee?

Im Schwarztee sowie, in geringerem Ausmass, im Oolong, gelben -und weissen Tee werden die Theanine durch die Oxidation abgebaut. Da gleichzeitig Bitterstoffe wie Catechine abgebaut werden sind diese Tees nicht bitterer als grüne Tees sondern, im Gegenteil, eher bekömmlicher.

Wie kommt man zum Umami Erlebnis?

Wie bereits geschrieben enthalten junge Blätter die nur wenig Sonnenstrahlung ausgesetzt wurden einen hohen Anteil an L-Theaninen. Typischerweise sind dies grüne Tees aus erster Ernte da im Frühling die Sonneneinstrahlung sehr gering ist. Diese Tees sind auch bekannt als First Flush oder Shincha.

Auch Hochland Tees wie Lu Shan Yun Wu oder Meng Ding Gan Lu welche durch eine dicke Nebelschicht vor der Sonne geschützt sind enthalten grössere Mengen an L-Theanin.

Eine weitere Kategorie bilden sogenannte Schattentees welche sich ebenfalls durch einen hohen L-Theanin Gehalt auszeichnen. Dazu gehören insbesondere Gyokuro, Kabusecha und Tencha sowie das daraus gewonnene Matcha. Den höchsten L-Theanin Gehalt dürfte ein Schattentee aus erster Ernte wie Shincha Gyokuro haben.

Um maximalen Umami Geschmack zu erhalten sollten diese Tees mit etwa 50°C warmen Wasser aufgegossen werden. Bei höhere Temperaturen werden entsprechend mehr Bitterstoffe gelöst und mindern somit das Umami Erlebnis.

Geheimtipp

Koreanischer Woojeon Grüntee zeichnet sich durch ein besonderes Umami Aroma aus und ist zudem sehr günstig im Preis. Durch die Kombination von Dämpf -und Rösttechnik vereint dieser Tee Merkmale von japanischem und chinesischem Grüntee.

Hier klicken um diesen Post als PDF herunter zu laden