Woojeon – Die erste Ernte eines koreanischen Grüntees

Woojeon Grüntee

Woojeon Grüntee

Koreanischer Grüntee ist der breiten Masse in Europa weitgehend unbekannt. Dabei gilt unter Teekennern insbesondere Woojeon sowie Jeoncha als günstige Alternative zu japanischem Grüntee.

Diesmal wurde ein Woojeon von der Seogwang Farm in Jeju von mir verköstigt. Woojeon bedeutet so viel wie vor dem Regen und deutet damit auf einen Erntezeitpunkt vor dem Monsoon an. Als Woojeon wird nur die allererste Ernte im Jahr bezeichnen. Ein Vergleich zu Shincha drängt sich hier geradezu auf.

Der Woojeon stellte für mich eine Überraschung in mehrfachem Sinn dar. Der Tee hat genau so geschmeckt wie ich es mir Aufgrund der Produktebeschreibung vorgestellt habe: Frisch, süss und mit ganz viel Umami. Geschmacklich kann Woojeon irgendwo zwischen chinesischem und japanischem Grüntee eingeordnet werden und auch der gelb-grüne Aufguss liegt farblich zwischen chinesischem noch japanischem Grüntee. Dies ist sicher auf die verwendete Technik zurück zu führen. Der beschattete Tee wird nach dem Ernten wie japanischer Sencha mit Dampf erhitzt aber später wie chinesischer Tee geröstet.

Teegarten auf Jeju

Teegarten auf Jeju

Am ehesten würde ich Woojeon geschmacklich mit Gyokuro oder Kabusecha und optisch mit Tamaryokucha vergleichen. Er verfügt ebenfalls über eine Tee Süsse welche an hochwertige chinesische Tees wie Bi Luo Chun oder Long Jing erinnert jedoch ohne das nussige Aroma dieser.

Aufgegossen wurde der Woojeon in meinem bewährten Gaiwan bei etwa 60°C. Ich habe diesen Tee aber auch schon mit 70°C aufgegossen allerdings geht so ein Teil des Umami verloren. Die Ziehzeit wurde zwischen einer halben und einer Minute gewählt. Erfahrungsgemäss sollten feine Teeblätter nur kurz ziehen da sie schneller durchtränkt werden. Baihao Yinzhen hingegen lasse ich dafür gerne bis zu fünf Minuten ziehen, zumindest beim ersten Aufguss.

Woojeon Aufguss

Woojeon Aufguss

Insgesamt ist dieser Woojeon eine Empfehlung wert und sollte in keiner Teesammlung fehlen. Er eignet sich Aufgrund der Ähnlichkeit zu Gyokuro insbesondere auch für Fans japanischer Grüntee. Dieser Woojeon ist seit kurzem in unserem Shop erhältlich.

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Wie Feng Huang Dan Cong hergestellt wird

Phoenix Berge

Die Hänge des Fenghuang Gebirges sind steil

Feng Huang Dan Cong ist die Bezeichnung für einen besonderen Oolong aus den Bergen rund um die Stadt Fenghuang. Das Pheonix Gebirge, wie das Gebiet um Fenghuang auch genannt wird, erstreckt sich über eine Fläche von 231,73km² und liegt auf einer Höhe zwischen 300 und 1498 Meter über Meeresspiegel. Das Klima ist mit einer durchschnittlichen Temperatur von 22°C eher mild, die Böden steinig und mineralhaltig. Die Anbaubedingungen ähneln denen der Wuyi Berge und auch die verwendeten Tee Varietäten sind eng verwandt.

Am Anfang steht der Setzling

Feng Huang Oolong Setzling

Ein Dan Cong Setzling

Bevor überhaupt Tee hergestellt werden kann muss zuerst ein Teebusch gepflanzt werden. Wenn man bereits eine gute Mutterpflanze hat wird in der Regel ein Setzling von dieser gezogen. Dies hat den Vorteil, dass die Eigenschaften des heranwachsenden Teebusches bestens bekannt sind. Allerdings hat dies wiederum den Nachteil, dass Setzlinge genetisch verarmen während sich Teebüsche aus Samen besser anpassen können. Zudem sorgen Sämlinge für so mache Überraschung; positiv wie negativ. In Chaozhou geht man den mittleren Weg und verwendet beide Techniken. Die genaue Zusammensetzung ist aber ein gut gehütetes Geheimnis des Teemeisters und wird nur an den engen Familienkreis weitergegeben.

Die Ernte

Die ganze Familie bei der Ernte

Die ganze Familie hilft bei der Ernte

Die meisten Teeblätter werden im Frühling geerntet da diese die beste Qualität haben. Spätere Ernten kommen nicht an diese Qualität heran und ein mehrmaliges Ernten bedeutet auch immer zusätzlichen Stress für die Pflanzen. Ein optimaler Zeitpunkt zum Ernten ist ein sonniger Nachmittag wenn die Teeblätter bereits vom Tau getrocknet sind. Es werden jeweils zwei bis fünf Teeblätter geerntet.

Baby erntet Tee

Früh übt sich, wer ein Teemeister werden will

Bei der Ernte hilft die ganze Familie mit und sogar Verwandte aus weit entfernten Provinzen kommen und packen mit an. Oft werden zusätzliche Teepflücker, sogenannte Wanderarbeiter, aus den nördlichen Provinzen angestellt um die Ernte einzufahren.

Der Welkvorgang

Tee in Bambuströgen

Tee wird gewelkt

Die Teeblätter werden in Bambuströgen bei ca. 35°C für 10 bis 20 Minuten gewelkt. Wenn es genug warm ist geschieht dies an der Sonne ansonsten im Ofen. Dieser Zeitpunkt hat bereits einen wichtigen Einfluss auf die Geschmacksbildung und muss sorgfältig ausgeführt werden. Bereits jetzt verströmen die Teeblätter einen intensiven Duft und lassen das Potential des Tees erahnen.

In der Ruhe liegt die Kraft

Tee wird Ruhen gelassen

Zeit zum Ruhen

Nach dem Welken werden die Blätter in den Bambuströgen für mehrere Stunden zum Abkühlen und Ruhen gestapelt. Neben einem platzsparenden Effekt hat diese Anordnung vor allem den Vorteil, dass die Blätter nicht zu schnell trocknen und geschmeidig bleiben. Nun haben die Erntehelfer Zeit für eine Pause bei welcher eine Tasse Tee nicht fehlen darf.

Der Oxidationsprozess

Kneten des Tees

Oxidation durch kneten der Teeblätter

Dieser wichtige Schritt wird vom Teemeister persönlich vorgenommen. Damit die Oxidation einsetzen kann werden die Blätter vorsichtig geknetet. Dadurch tritt Pflanzensaft aus der dann mit dem Sauerstoff in der Luft reagiert. Jetzt wird auch klar wieso hier grösstmögliche Vorsicht geboten ist: Wenn der Teemeister bei diesem Schritt übertreibt gibt es am Schluss Schwarztee. Üblich bei Oolong ist ein Oxidationsgrad zwischen 20% und 80% wobei Dan Cong traditionell eher zwischen 50% und 80% oxidiert wird.

Oxidation stoppen

Rösten des Tees

Rösten des Tees

Wenn der gewünschte Oxidationsgrad erreicht wurde muss diese Reaktion gestoppt werden. Die in der Fachsprache „kill green“ genannte Technik dürfte jedem bekannt sein der schon einmal Apfelmus hergestellt hat: Durch Erhitzen werden die reaktiven Enzyme zerstört und damit weitere Oxidation unterbunden. Beim Phoenix Dan Cong geschieht dies in mit Holzkohle befeuerten Öfen bei 140 – 160°C. Der Teemeister muss hier besonders aufpassen weil sonst der Tee einen rauchigen Geschmack bekommt. Geröstet wird solange bis die Blätter schön weich sind. Dies ist wichtig für den nächsten Arbeitsschritt.

Der Tee wird in Form gebracht

Modernste Technik: Die Rollmaschine

Modernste Technik: Die Rollmaschine

Um den Tee in die richtige Form zu bringen wird er maschinell gerollt. Früher wurde wohl auch dieser Prozess von Hand ausgeführt aber abgesehen davon bedeutet Dan Cong immer noch reine Handarbeit. Im Gegensatz zu taiwanesischem Gao Shan oder auch Tie Guan Yin, welche zu Kugeln gerollt werden, wird Dan Con wie auch Wuyi Oolong nur leicht gedreht.

Erste Röstung

Erste Röstung

Weder Pizzaiolo noch Pizzaofen

Durch den ersten Röstvorgang wird der Tee getrocknet und weitere Aromen gebildet. Ideal ist eine Temperatur von ca. 80 – 90°C bei einer Dauer von etwa 10 Minuten. Danach wird der Tee wiederum ruhen gelassen damit er bei niedriger Temperatur nachtrocknen kann. Anschliessend wird nach beurteilen der Blätter die Endröstung vorgenommen.

Endröstung

Bambustrommeln

Bambustrommeln

Beim Endrösten wird entschieden auf den Geschmack und die Lagerfähigkeit Einfluss genommen. Eine stärke Röstung kommt einer langen Lagerfähigkeit zu Gute und verleiht dem Tee Röstaromen. Die Temperatur und die Röstdauer dürfen dabei nicht zu hoch sein weil sonst der Tee verbrannt schmeckt. Dies ist oft bei billigem Tie Guan Yin aus dem Supermarkt der Fall. Manchmal wird der Tee auch viel später nochmals nachgeröstet um die Lagerfähigkeit zu verbessern.

Verlesen und sortieren

Tee wird verlesen

Verlesen des Tees

Ganz am Schluss wird der Tee verlesen um unschöne Blätter und Zweige zu entfernen und gegebenenfalls sortiert. Dies geschieht nach wie vor in mühsamer Handarbeit. Den Teepflückerinnen scheint aber diese Arbeit zu gefallen den man kann tratschen und man ist vor der Sonne geschützt. Ein heller Teint ist in Asien immer noch ein erstrebenswertes Ziel.

Das fertige Produkt

Ye Lai Xiang Dan Cong

Ye Lai Xiang Dan Cong

Im Idealfall erhält man am Schluss einen Dan Cong der Spitzenklasse: Leicht gedrehte, vielfarbene Teeblätter mit einem fruchtig-süssem und blumigem Aroma. Unter der Verwendung der klassischen Chaozhou Technik in einem Gaiwan kann man so unzählige Aufgüsse mit gleichbleibend hoher Qualität geniessen.

Update

Feng Huan Dan Cong ist jetzt auch bei uns im Shop erhältlich.


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Feng Huang Dan Cong – Po Tou Xiang

Diesmal dürfte ich einen ganz besonderen Oolong,  einen Po Tou Xiang Dan Cong aus Feng Huang, verkosten. Die Tee Probe wurde mir freundlicher Weise von Phoebe Lin zur Verfügung gestellt und stamm von der Tee Farm ihrer Familie in Feng Huang. Dieser Oolong ist stark oxidiert und gedreht im Gegensatz zu taiwanesischen Oolong welche meistens leicht oxidiert und in sich gerollt werden. Erst bei genauem Hinsehen fällt auch, dass die Blätter nicht durchgehen schwarz oder braun sind sondern viele verschiedene Farbschattierungen aufweisen. Da diese auf normalen Fotos schwer erkennbar sind  habe ich eine Serie HDR Bilder von den Blättern gemacht.

Setup für die Po Tou Xiang verkostung

Setup für die Po Tou Xiang Verkostung

 

Gaiwan und zwei Yixing Kannen

Gaiwan oder Yixing Kanne?

Für diesen besonderen Tee habe ich lange überlegt wie ich ihn aufgiessen soll. Den bewährten Gaiwan oder doch lieber eine Yixing Kanne? Ich liess es mir schlussendlich nicht nehmen diesen Dan Cong in einer Yixing Tekanne aufzugiessen. Ich sollte meine Entscheidung nicht bereuen den schon beim ersten Aufguss liess der Tee sein Potential erkennen.

 

Aufguss eines Po Tou Xiang Dan Cong

Aufguss des Po Tou Xiang

Von Anfang an erfreut der Tee durch seine fruchtigen Duftnoten. Wie bei Oolong üblich offenbarte dieser Dan Cong seine ganze Pracht erst beim zweiten Aufguss. Das Aroma blieb über mehrere Aufgüsse erhalten und auch die orange-gelbe Farbe blieb durchgehend dieselbe. Die Anzahl Aufgüsse habe ich nicht gezählt aber es waren einige mehr als bei anderen Oolong.  Vergeblich suchte ich jedoch den Ingwerblüten Duft den ich Aufgrund des Namens, Po Tou Xiang heisst übersetzt Ingwerblüten Duft, vermutete. Es soll mir recht sein!

 

Po Tou Xiang Teeblätter

Po Tou Xiang Teeblätter

Die Aufgegossenen Teeblätter bestätigen, dass es sich hier um einen Dan Cong höchster Güte handelt. Die Teeblätter sind weitgehend unbeschädigt was auf eine Handlese hinweist. Auch wurden nur ein oder zwei Blätter genommen und von daher sind nur wenige Zweige enthalten. Die Teeblätter sind klein und weich; ein Zeichen für eine frühe Ernte da die Blätter noch nicht ausgewachsen sind.

HDR Bild Po Tou Xiang

HDR Bild des Po Tou Xiang

Zum Schluss noch das versprochene HDR Bild des Po Tou Xiang. In der vergrösserten Ansicht sieht man gut, dass nicht nur schwarze und braune sondern auch rote, gelbe, violette und viele andere Farbtöne das Teeblatt zeichnen.

Insgesamt gesehen ist dieser Dan Cong ein Oolong der Spitzenklasse der allerdings auch seinen Preis hat. Dieser relativiert sich zwar dank der hohen Ausbeute aber dennoch dürfte es schwierig werden diesen Tee an den Mann zu bringen. Zurzeit prüfen wir ob wir diesen Tee ins Sortiment aufnehmen sollen. Der Endkundenpreis würde ungefähr CHF 27.– für 50g betragen. Interessenten können sich gerne per Mail melden und so gegebenenfalls unsere Meinung beeinflussen.

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Obubu Tea – Houjicha (Dark Roast)

Meine Reise durch die Welt der japanischen Tees führte mich diesmal zu Houjicha. Für diejenigen, für die Houjicha genauso neu ist wie für mich habe ich im nächsten Abschnitt einen kurzen Überblick verfasst.

Houjicha Aufguss mit Blume

Houjicha Aufguss

Houjicha von Obubu Tea

Houjicha Blätter

Houjicha ist ein gerösteter Grüntee aus Japan. Der Röstprozess ist der Grund, warum Houjicha nicht wie ein grüner Tee aussieht und schmeckt, sondern eher wie ein Pu-Erh oder vielleicht ein schwarzer Tee. Dieser Tee wird normalerweise aus Bancha hergestellt, aber manchmal wird auch Sencha oder Kukicha verwendet. Da Koffein und Catechine durch das Rösten abgebaut werden, ist der Tee sehr mild und daher nicht als Stimulans geeignet.

Houjicha (Dark Roast) von Obubu Tea ist, wie der Name schon sagt, stark geröstet. Der Duft ist holzig und erinnert leicht an Tabak. Das bringt Erinnerungen an die Schulzeit zurück, als ich vom Hausmeister der Schule, Herrn Hafen, gebeten wurde Pfeifentabak zu kaufen. Das war damals kein Problem weil es keine Altersbeschränkung gab und überraschenderweise haben wir alle das irgendwie überlebt. Es musste übrigens immer Borkum Riff Ultra Light sein und kein anderer Tabak! Es gab dafür dann auch immer ein hübsches Trinkgeld für die korrekte Lieferung.

Aber zurück zum Tee: Ich liess den Tee etwa eine Minute lang bei etwa 90°C, vielleicht wars auch ein bisschen mehr, ziehen. Der Tabakduft war nun auch im Aufguss erkennbar. Zusätzlich gesellte sich der Geschmack von dunkler Schokolade und Kaffee zum Tabakgeschmack hinzu. Auch hier sehe ich Parallelen zu bestimmten Pu-Erh-Tees. Röst und- rauchige Aromen sind nur subtil, während erdige Töne überwiegen. Der Aufguss schimmert kastanienbraun in der Tasse – eine ungewöhnliche Farbe für einen grünen Tee.

Tee in Gaiwan

Houjicha im Gaiwan

Wie man sieht, benutzte ich einen Gaiwan, um die Houjicha aufzugiessen. Natürlich wäre eine Kyusu oder eine Dobin-Kanne besser für einen Houjicha geeignet. Aber da ich mich immer auf ein neues Aufgussgefäss einstellen muss und ich nur eine 10g-Probe vom Houjicha habe, experimentiere ich lieber nicht.

Der zweite Aufguss ist viel heller als die erste. Dies kann daran liegen, dass ich die empfohlene Ziehzeit während des ersten Aufgusses überschritten habe. Auch überwiegen beim zweiten Aufguss die holzigen, tabakartigen und schokoladigen Aromen, sie sind nun aber milder. Die Abwesenheit jeglicher Adstringenz oder Bitterkeit verwirrt mich immer noch, obwohl es eine Hauptmerkmale von Bancha ist.

Houjicha Blätter nach dem Aufguss

Die Aufgegossenen Houjicha Blätter

Der dritte Aufguss ähnelt dem zweiten und ist eher unspektakulär. Ich merke, dass dem Tee langsam der Saft ausgeht. Aber ich schmecke eine neue Nuance – ein Hauch von indischem Masala Chai. Aber nicht ganz so scharf und auch der milchige Geschmack fehlt. Obubu Tea empfiehlt, die gebrauchten Blätter über Nacht in den Kühlschrank zu geben, um Eistee damit zu machen und den letzten Rest aus den Blättern zu holen. Ich werde es das nächste Mal versuchen und auch eine der empfohlenen Houjicha Latte klingt interessant.

Umami – Der fünfte Geschmack

L-Theanin (Bildquelle:Wikipedia)

L-Theanin   (Quelle:Wikipedia)

Oft hört man von Teefreunden die Bezeichnung Umami. Insbesondere in Verbindung mit hochwertigen japanischen und chinesischen Grüntees wird dieser Begriff oft verwendet. Obwohl Umami bereits 1907 vom japanischem Wissenschaftler Kikunae Ikeda entdeckt wurde ist es einer breiten Bevölkerungsschicht weitgehend unbekannt. Neben süss, sauer, bitter und salzig ist Umami eine weitere Geschmacksrichtung und wird deshalb auch als fünfter Geschmack bezeichnet. Umami heisst übersetzt so viel wie herzhaft oder fleischig und dient dazu eiweisshaltige Lebensmittel schmecken zu können.

Wie kommt Umami in den Tee?

Für den Umami Geschmack im Grüntee ist die Aminosäure L-Theanin verantwortlich. Diese Aminosäure wird in den Blättern der Camellia sinensis gebildet. Im Laufe des Wachstums wird aber ein Grossteil des L-Theanins durch Sonneneinstrahlung in Katechine und andere Stoffe umgewandelt. Umami ist also nur in den jungen Teeblättern zu finden oder in Blättern die vor starker Sonnenstrahlung geschützt sind. Dies ist z.B. bei Yun Wu und anderen Tees aus nebligen Anbaugebieten der Fall. Die Japaner hingegen haben eine eigene Technik entwickelt: Kabuse. Hochwertige grüne Tees wie Tencha, Gyokuro oder Kabusecha werden künstlich beschattet und erzielen somit den gleichen Effekt wie Nebel und Wolken.

Wieso schmeckt man Umami nicht bei Schwarztee?

Im Schwarztee sowie, in geringerem Ausmass, im Oolong, gelben -und weissen Tee werden die Theanine durch die Oxidation abgebaut. Da gleichzeitig Bitterstoffe wie Catechine abgebaut werden sind diese Tees nicht bitterer als grüne Tees sondern, im Gegenteil, eher bekömmlicher.

Wie kommt man zum Umami Erlebnis?

Wie bereits geschrieben enthalten junge Blätter die nur wenig Sonnenstrahlung ausgesetzt wurden einen hohen Anteil an L-Theaninen. Typischerweise sind dies grüne Tees aus erster Ernte da im Frühling die Sonneneinstrahlung sehr gering ist. Diese Tees sind auch bekannt als First Flush oder Shincha.

Auch Hochland Tees wie Lu Shan Yun Wu oder Meng Ding Gan Lu welche durch eine dicke Nebelschicht vor der Sonne geschützt sind enthalten grössere Mengen an L-Theanin.

Eine weitere Kategorie bilden sogenannte Schattentees welche sich ebenfalls durch einen hohen L-Theanin Gehalt auszeichnen. Dazu gehören insbesondere Gyokuro, Kabusecha und Tencha sowie das daraus gewonnene Matcha. Den höchsten L-Theanin Gehalt dürfte ein Schattentee aus erster Ernte wie Shincha Gyokuro haben.

Um maximalen Umami Geschmack zu erhalten sollten diese Tees mit etwa 50°C warmen Wasser aufgegossen werden. Bei höhere Temperaturen werden entsprechend mehr Bitterstoffe gelöst und mindern somit das Umami Erlebnis.

Geheimtipp

Koreanischer Woojeon Grüntee zeichnet sich durch ein besonderes Umami Aroma aus und ist zudem sehr günstig im Preis. Durch die Kombination von Dämpf -und Rösttechnik vereint dieser Tee Merkmale von japanischem und chinesischem Grüntee.

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Summer Bancha Aoyanagi der Takeo Farm

Es ist wieder an der Zeit für einen Bancha. Dieses Mal wird ein biologisch angebauter Bancha der Takeo Farm aus Sommerplückung verköstigt. Was gleich auffällt ist, dass die Blätter des Summer Bancha Aoyanagi ein bisschen kleiner und dunkler sind verglichen mit dem Autumn Bancha der gleichen Farm. Da die Sonneneinstrahlung im Sommer grösser ist als im Herbst müsste eigentlich die Sommerpflückung heller sein. Ich gehe deshalb davon aus, dass für diese Sommerplückung die unteren Blätter, welche von den neuen Trieben beschattet werden, verwendet wurden.

Summer Bancha Aoyanagi

Summer Bancha Aoyanagi

Summer Bancha mit Dobin Kanne
Summer Bancha mit Dobin Kanne

Aufgegossen wurde dieser Bancha in einer Dobin Kanne. Eigentlich sind Dobin Kannen eher für grössere Tee Mengen vorgesehen aber mein Model ist vom Volumen her eher klein. Verwendet wurde ein Teelöffel voll des Bancha was ungefähr 5 gramm sind. Die Temperatur dürfte etwa 60 oder 70 Grad heiss gewesen sein. So genau weiss ich das nie und anfangen mit dem Thermometer herum zu hantieren werde ich sicher nicht auf meine alten Tage.

Aufguss des Summer Bancha

Aufguss des Summer Bancha

Der Aufguss hat nach knapp zwei Minuten eine klare, gelb-grüne Farbe. Anders als der Autumn Bancha verfügt dieser Bancha über eine erfrischende Herbe, Klarheit und Strenge aber auch das bekannte gemüsige Aroma. Der Abgang ist dezent süsslich jedoch in keiner Weise vergleichbar mit einem Sencha oder Gyokuro. Aufgrund dieser Zurückhaltung passt dieser Bancha gut zu einem Essen oder, wie gerade jetzt, zum Verfassen eines Blog Post.

 

 

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Obubu Tea – Houjicha (Dark Roast)

Meine Entdeckungsreise durch die Welt der japanischen Teesorten hat mich diesmal zu Houjicha geführt. Für diejenigen die Houjicha genauso wie für mich Neuland ist habe ich im nächsten Abschnitt einn kurzen Überblick verfasst.

Houjicha Aufguss mit Blume

Houjicha Aufguss

Houjicha von Obubu Tea

Houjicha Blätter

Houjicha ist ein gerösteter Grüntee aus Japan. Der Röstvorgang ist der Grund, dass Houjicha sowohl optisch als auch geschmacklich überhaupt nicht wie ein grüner Tee wirkt sondern eher wie ein Schwarztee oder Pu-Erh. Hergestellt wird dieser Tee in der Regel aus Bancha aber es wird zuweilen auch Sencha oder Kukicha verwendet. Da durch die Röstung Bitterstoffe sowie Koffein abgebaut werden ist der Tee sehr mild und taugt deshalb nicht als Muntermacher.

Der Houjicha (Dark Roast) von Obubu Tea ist, wie der Name schon verrät, stark geröstet. Der Duft hat etwas Holziges und erinnert mich an Tabak,  Pfeifentabak. Das weckt Erinnerungen an die Schulzeit als ich Pfeifentabak für Herrn Hafen, den Hausmeister der Schule holen durfte. Das war früher kein Problem und erstaunlicherweise haben wir es alle überlebt, irgendwie.  Aber Borkum Riff Ultra Light musste es sein und kein anderer. Dafür gab es aber auch immer ein schönes Trinkgeld.

Zurück zum Tee: Diesen habe ich mit etwa 90° heissem Wasser aufgegossen und für rund eine Minute, vielleicht auch etwas mehr, ziehen gelassen. Der Tabakduft blieb auch beim aufgegossenen Houjicha bestehen. Ausserdem gesellte sich der Geschmack von dunkler Schokolade und Kaffee dazu. Auch hier sehe ich Parallelen zu gewissen Pu-Erh Tees. Röst- oder Raucharomen halten sich dezent zurück und gewähren erdigen Tönen den Vortritt. Der Aufguss schimmert Kastanienbraun in der Tasse – eine ungewohnte Farbe für einen grünen Tee.

Tee in Gaiwan

Houjicha im Gaiwan

Wie man auf dem Foto schön sieht habe ich auch für den Houjicha meinen bewährten Gaiwan verwendet. Natürlich hätte ich auch eine Kyusu oder eine Dobin Kanne verwenden können aber da ich mich immer auf ein neues „Werkzeug“ einstellen muss und ich nur eine 10g Probe vom Houjicha habe lasse ich lieber das Experimentieren.

Der zweite Aufguss ist wesentlich heller als der erste. Dies mag daran liegen, dass ich die empfohlene Ziehzeit beim ersten Aufguss bei weitem überschritten habe.  Auch beim zweiten Aufguss überwiegen die holzigen, tabakartigen und schokoladigen Aromen. Diese sind aber insgesamt milder. Das Fehlen jeglicher Herbe oder gar Bitterkeit irritiert ein wenig obwohl gerade das einen Houjicha ausmacht.

Houjicha Blätter nach dem Aufguss

Houjicha Blätter nach dem Aufguss

Der dritte Aufguss ist ähnlich wie der zweite eher unspektakulär. Ich merke wie langsam der Saft ausgeht. Dennoch schmecke ich auch hier eine neue Nuance – die von Chai. Wenn auch nicht ganz so würzig und auch das Milchige fehlt. Obubu Tea empfiehlt aus den übrig gebliebenen Teeblättern Eistee zu machen und so den Rest heraus zu holen. Ich werde dies beim nächsten Mal versuchen und auch ein Houjicha Latte hört sich interessant an.

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Autumn Bancha der Takeo Farm

Heute durfte ich einen besonderen Tee aus Japan verkosten.  Einen biologisch angebauten Bancha aus Herbstpflückung vom Familienbetrieb Takeo aus der Mie Präfektur. Takeo produziert schon seit 1993 rein biologisch und ist seit 2000 auch nach JAS (Japanese Agricultural Standard) zertifiziert.

Japanischer Tee mit Teeschalen

Autumn Bancha

Mit japanischen Tees habe ich nicht so viel Erfahrung wie mit chinesischen und insbesondere auch Oolong.  Zubereitet habe ich deshalb den Bancha, man möge mir verzeihen, im Gaiwan. Die Wassertemperatur dürfte etwa 60, vielleicht auch 70° Grad gewesen sein und ich habe einen Teelöffel des Bancha verwendet. Wassermenge habe ich gewählt wie auch sonst immer: Wasser aufgiessen bis alle Blätter bedeckt sind.

Japanischer Tee Aufguss

Bancha Aufguss

Der erste Aufguss durfte rund 1 Minute ziehen und wurde dann in meine Celadon Tassen gegossen. Der Aufguss ist klar und intensiv grün. Bei japanischen Grüntee ist dies die Regel aber wenn man eher chinesische Grüntee gewohnt ist erstaunt dies doch ein wenig. Das Aroma ist überraschend frisch mit einer milden Süsse, klar und dezent. Unweigerlich kommen da Gedanken über den Zen Stil mit den klaren und minimalistischen Formen in den Sinn.

Teeblätter nach dem Aufguss

Die aufgegossenen Blätter

Aussergewöhnlich bei diesem Tee ist auch, dass er gänzlich frei von Herbe ist. Trotz mehrmahligem Aufgiessen und auch bei längerer Ziehzeit wurde der Tee nicht bitter. Dies dürfte sicher für diejenigen enttäuschend sein die sich einen Tee mit etwas mehr „punch“ gewünscht hätten. Im Grundton herausschmecken konnte ich ebenfalls etwas gemüsiges und, für mich etwas erstaunlich, einen Hauch von Seetang. Wer mich kennt weiss, dass ich mit Meeresfrüchten und derselben, dazu gehört für mich auch Seetang, nicht viel anfangen kann. Dennoch stört mich dieser Geschmack überhaupt nicht.  Mehr noch vervollständigt er das Bild welches ich von Japan bzw. japanischen Produkten wie diesem Tee habe.

Mein Eindruck von diesem Tee ist überaus positiv insbesondere da ich so meine Vorurteile gegenüber maschinell verarbeitetem Tee hatte. Dazu kommt, dass dieser Tee eher in einer günstigen Preisregion angesiedelt ist. Insgesamt kann ich diesen Tee mehr als nur empfehlen und er macht Lust auf weitere japanische Tees.

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Teaguardian über Yixing Teekannen

Heute will ich euch ein Video von Teaguardian über die Handhabung von Yixing Teekannen vorstellen. Trotz der angenehmen Kürze von  etwas über 8 Minuten deckt es doch alle Bereiche von diesem speziellen Thema ab. Besonders gut gefällt mir wie die unterschiedlichen Designs behandelt werden.

Das Video selbst ist in englischer Sprache aber Aufgrund der sehr guten Darstellung auch für Personen verständlich die nicht der englischen Sprache mächtig sind.

Das Video:

Japon, la voie du thé

Par hasard je trouvé le reportage „Japon, la voie du thé“, sur Youtube. Le rapport lui-même est de Geo et a été diffusé sur Arte. Dans la reportage du thé agriculteur Kazuo Watanabe de Kyushu est accompagné par l’équipe Geo dans le processus de production de thés verts japonais.

Le reportage se voit dans la qualité du contenu HD et aussi une reportage très réussie. Même ici, les carences de contenu sont détectés (c’est ce qu’on appelle la fermentation plutôt que l’oxydation), mais ce rapport est le meilleur que j’ai vu sur le thème du thé vert ou du thé à tout téléviseur.

Voici le reportage: